Die Frage, die mich bis heute begleitet
Heute möchte ich mit dir über eine einzige Frage sprechen. Eine Frage, die mir vor vielen Jahren von einem guten Freund und damaligen Trainer gestellt wurde und die mich bis heute begleitet. Es war keine komplizierte Frage, keine philosophische Abhandlung und auch keine ausgefeilte Methode. Er schaute mich einfach an und sagte: „Steffen, warum bist du hier? Willst du wirklich hier sein? Willst du wirklich etwas verändern und etwas mitnehmen oder bist du satt?“ Zunächst klingt das fast ein wenig provokant. Was soll das überhaupt bedeuten – satt? Gemeint war damit nicht, ob ich mit meinem Leben grundsätzlich zufrieden bin oder ob ich bereits vieles erreicht habe. Gemeint war vielmehr, ob ich innerlich an einem Punkt angekommen bin, an dem es nichts mehr gibt, was ich lernen, entwickeln oder in die Welt bringen möchte. Ob mein Leben bereits vollständig so verläuft, wie ich es mir wünsche. Ob wirklich alles da ist, was ich brauche. Ob ich erfüllt, vollkommen und angekommen bin.
Interessanterweise musste ich über diese Frage gar nicht lange nachdenken. Mir war sehr bewusst, dass ich nicht satt war. Ganz im Gegenteil. Ich wusste sehr genau, warum ich in diesem Seminar saß. Ich war nicht dort, weil mir langweilig war. Ich war nicht dort, weil ich zufällig Zeit hatte. Ich war dort, weil ich wachsen wollte. Weil ich mich weiterentwickeln wollte. Weil ich gespürt habe, dass da noch etwas in mir steckt, das gelebt werden möchte. Mir war klar, dass mein Leben bereits viele wunderbare Seiten hatte und ich für vieles dankbar sein konnte. Aber genauso klar war mir, dass es noch mehr geben durfte. Nicht mehr im Sinne von immer größer, immer schneller oder immer mehr Besitz. Sondern mehr Bewusstsein, mehr Klarheit, mehr Freiheit und mehr von dem Menschen, der ich wirklich sein wollte.
Entwicklung kann aus Begeisterung entstehen
Und genau an diesem Punkt beginnt für mich Entwicklung. Entwicklung entsteht nicht zwangsläufig aus Schmerz oder aus einer Krise. Sie kann genauso aus Begeisterung entstehen. Aus der Erkenntnis, dass das Leben noch unendlich viele Möglichkeiten bereithält. Dass wir Fähigkeiten besitzen, die vielleicht noch gar nicht gelebt werden. Dass wir Erfahrungen machen können, die wir bisher noch nicht gemacht haben. Dass wir eine Botschaft in uns tragen, die anderen Menschen helfen kann. Vielleicht gibt es sogar etwas, das wir erschaffen möchten. Ein Unternehmen, ein Buch, eine Idee, eine Bewegung oder einfach die Fähigkeit, anderen Menschen Orientierung, Klarheit und Unterstützung zu geben. All das beginnt mit der ehrlichen Erkenntnis, dass wir eben noch nicht satt sind.
Vom Vermeiden zum bewussten Erschaffen
Viele Menschen merken irgendwann, dass sie etwas verändern möchten. Das ist bereits ein wichtiger Schritt. Denn Veränderung beginnt immer mit einer Erkenntnis. Sie beginnt mit dem Bewusstsein, dass etwas anders werden darf. Aber diese Erkenntnis allein wird noch keine Veränderung erzeugen. Denn viele Menschen bleiben genau an dieser Stelle stehen. Sie beschäftigen sich permanent mit den Dingen, die sie nicht mehr möchten. Sie denken darüber nach, warum etwas nicht funktioniert. Warum sie unzufrieden sind. Warum sie sich gestresst fühlen. Warum sie bestimmte Ergebnisse noch nicht erreicht haben. Das Problem dabei ist, dass sie dadurch zwar sehr genau beschreiben können, was sie nicht möchten, aber überhaupt nicht definieren, wohin sie eigentlich wollen.
Ein Ziel für das innere Navigationssystem
Stell dir vor, du steigst in dein Auto und ich frage dich, wohin du fahren möchtest. Du antwortest mir: „Nicht nach Berlin.“ Dann frage ich weiter: „Gut, aber wohin denn?“ Und du sagst: „Nicht nach München.“ Ich frage noch einmal und du antwortest: „Hauptsache nicht nach Hamburg.“ Jeder von uns würde sofort erkennen, dass diese Informationen völlig unbrauchbar sind. Kein Navigationssystem dieser Welt kann dich an einen Ort bringen, wenn du lediglich weißt, wohin du nicht möchtest. Genau so funktioniert aber häufig unser Denken. Wir definieren permanent das, was wir vermeiden wollen, ohne jemals ein klares Bild davon zu entwickeln, was wir stattdessen erschaffen möchten.
Deshalb glaube ich, dass der erste wirkliche Schritt jeder Veränderung darin besteht, den Blick bewusst auf das auszurichten, was entstehen soll. Wie soll dein Leben aussehen? Wie möchtest du morgens aufwachen? Wie möchtest du dich fühlen? Welche Beziehungen möchtest du führen? Wie möchtest du arbeiten? Wie gesund möchtest du sein? Welche Freiheit wünschst du dir? Welche Menschen möchtest du um dich haben? Und welche Wirkung möchtest du auf andere ausüben? Erst wenn diese Bilder entstehen, kann dein Geist überhaupt beginnen, nach Wegen zu suchen, wie sie Wirklichkeit werden können.
Ehrlich erkennen, wo man steht
Dazu braucht es zunächst Ehrlichkeit. Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Wo stehe ich heute tatsächlich? Nicht dort, wo ich gerne stehen würde. Nicht dort, wo andere mich sehen. Sondern dort, wo ich wirklich stehe. Diese Erkenntnis ist die Grundlage jeder Veränderung. Und sie entsteht nur dann, wenn wir beginnen, uns mit uns selbst auseinanderzusetzen. Für den einen geschieht das in der Meditation. Für den anderen in Gesprächen mit einem guten Freund. Manche finden diese Klarheit durch einen Coach oder Mentor. Andere beim Schreiben, beim Sport oder einfach in einer stillen Stunde mit sich selbst. Der Weg ist dabei völlig unterschiedlich. Entscheidend ist nur, dass wir bereit sind, hinzuschauen.
Das ist nicht immer angenehm. Es gibt Erkenntnisse, die uns herausfordern. Es gibt Gedanken, die unbequem sind. Aber genau darin liegt das Wachstum. Denn solange wir unseren tatsächlichen Standort nicht kennen, können wir auch keinen Weg planen. Erst wenn klar ist, wo wir stehen und wohin wir wollen, entsteht eine Richtung. Und genau diese Richtung verändert unser Denken. Statt ständig darüber nachzudenken, warum etwas nicht funktioniert, beginnen wir zu überlegen, wie es funktionieren kann. Statt uns zu fragen, warum wir etwas noch nicht haben, fragen wir uns, welche Schritte notwendig sind, um es zu erreichen. Das klingt vielleicht zunächst nach einer kleinen sprachlichen Veränderung, tatsächlich verändert sie aber unsere gesamte Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit bestimmt, worauf unser Geist seine Energie richtet.
Vom Denken zum Handeln
Natürlich reicht positives Denken allein nicht aus. Irgendwann müssen Handlungen folgen. Entscheidungen müssen getroffen werden. Gewohnheiten müssen verändert werden. Es braucht Disziplin, Ausdauer und die Bereitschaft, Schritt für Schritt voranzugehen. Die gute Nachricht ist jedoch, dass all diese Fähigkeiten erlernbar sind. Es gibt unzählige Methoden, Werkzeuge und Strategien, die uns dabei unterstützen können. Niemand muss alles sofort perfekt machen. Es reicht, den ersten Schritt zu gehen und dann den nächsten. Mit jedem Schritt verändert sich die Richtung unseres Lebens ein wenig mehr.
Warum ich Menschen auf diesem Weg begleite
Genau darin liegt auch meine persönliche Motivation. Ich möchte Menschen dabei unterstützen, diesen Weg für sich selbst zu entdecken. Nicht indem ich ihnen ein Leben vorgebe, das sie führen sollen, sondern indem ich ihnen dabei helfe, Klarheit über ihr eigenes Leben zu gewinnen. Ich möchte Menschen dabei unterstützen, bessere Entscheidungen zu treffen, bewusster zu leben und ihr eigenes Potenzial zu erkennen. Ob das in einem Coaching geschieht, in einem Seminar, in einem Gespräch oder einfach durch einen Podcast wie diesen, spielt letztlich keine Rolle. Entscheidend ist, dass vielleicht ein einziger Gedanke ausreicht, damit ein Mensch beginnt, sein Leben aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
Vielleicht bist auch du nicht satt
Denn ich bin überzeugt, dass jeder Mensch etwas in sich trägt, das größer ist als seine bisherigen Erfahrungen. Jeder Mensch besitzt Fähigkeiten, Möglichkeiten und eine ganz eigene Botschaft. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, diese Botschaft ernst zu nehmen. Vielleicht bist auch du nicht satt. Vielleicht spürst du, dass da noch mehr ist. Mehr Möglichkeiten, mehr Entwicklung, mehr Freiheit und mehr von dem Leben, das wirklich zu dir passt. Wenn das so ist, dann beginnt Veränderung nicht irgendwann in der Zukunft. Sie beginnt genau in dem Moment, in dem du dich entscheidest, deinen Blick nicht länger auf das zu richten, was du vermeiden möchtest, sondern auf das Leben, das du bewusst erschaffen willst.